Häs und Maske

Maske  Larve

Larve ist dem Lateinischen entlehnt. Die Form larva findet sich bereits bei Horaz; sie geht auf die altlateinischen Formen larua, lasoua, lares und lases (Geister) zurück. Das Wort Larve bürgerte sich schon im Mittelhochdeutschen für Gespenst und Geist ein, bedeutet heute aber nur noch Gesichtsverhüllung. In den schwäbisch-alemannischen Fasnachtslandschaften ist Larve hauptsächlich am oberen Neckar als Bezeichnung für die aus Holz geschnitzte Gesichtsverhüllung üblich. Weil das Wort die Wandelbarkeit der äusseren Erscheinungsformen sehr sinnfällig ausdrückt, wird es seit dem Ende des 18. Jahrhunderts auch zur Bezeichnung des Entwicklerstadiums der Insekten zwischen Ei und Verpuppung gebraucht. Im heutigen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung noch im Wort Entlarven erhalten.

Die Holzmaske

Der Holzlarve haftet das Fluidum von etwas Altem und Ehrwürdigem, von etwas besonders Erstrebenswertem an, obwohl die ältesten Stücke erst aus dem 18. Jahrhundert stammen. Kein Wunder, dass in den meisten schwäbisch-alemannischen Narrenorten Holzlarven getragen werden. Kein Wunder aber auch, dass die Qualitätsunterschiede sehr gross sind. Der magische Ausdruck der Holzlarve strahlt die Kraft aus, sie alljährlich zu tragen und den alten, wenn auch längst sinnentleerten Maskenbrauch neu zu zelebrieren. Zwei Archetypen stecken zunächst einmal das Feld der schwäbisch-alemannischen Holzlarven ab: die schönen (glatten) und die hässlichen. Hier zeigt sich eine Parallele zu den Grundformen der alpenländischen Perchtenlarven, zu den Schianen und den Schiachen.

Das Häs

Das Häs, auch Narrenkleid, Kleidle oder Anzug, bezeichnet im Umfeld der schwäbisch-alemannischen Fasnet das Narrenkostüm, welches meistens aus einer Larve und dem Narrenkleid besteht. Im Plural wird gelegentlich ebenfalls der Begriff Häs, meist jedoch Häser, verwendet. Ein Narr mit Häs wird Hästräger genannt.

Ein Charakteristikum der schwäbisch-alemannischen Fasnet ist, dass die Hästräger ihre Verkleidung nicht von Jahr zu Jahr wechseln, sondern sie lebenslang beibehalten. In manchen Gegenden ist es sogar üblich, das Häs über Generationen zu vererben. Jede Narrenzunft hat nur einige wenige Narrenfiguren. Das Häs der jeweiligen Figur wird von einer Gruppe in der Zunft getragen. Die ältesten bereits im Mittelalter urkundlich nachweisbaren Narrenfiguren sind der "Teufel", der "Wilde Mann" und verschiedene Tiermasken. Bei den "Fleckle-", "Blätzle-", oder "Spättlekleider" dagegen handelt es sich meist um Leinengewänder, auf denen farbige Stoffflicken aufgenäht sind. Hierzu gehören zum Beispiel der "Plätzler" aus Weingarten oder der Narrone aus Laufenburg. Aus dem Barock stammen die Hansele, Narros oder Weißnarren. Sie haben einen bemalten Leinenanzug, meist eine glatte Gesichtsmaske (Glattlarve) mit freundlich wirkendem Gesichtsausdruck und häufig auf Brust und Rücken über Kreuz getragene Schellenriemen ("Gschell"). Die Fastnachtshexe, wie zum Beispiel die Gengenbacher Hexe, trägt in der Regel eine Jacke (sog. Peter) und einen Rock, der über einem Unterrock und Bauernwäsche getragen wird. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl örtlicher Narrenfiguren, die sich nicht in eine der erwähnten Gruppen einordnen lassen.

Das Wort "Häs" wird im schwäbischen Dialekt auch ausserhalb der Fastnacht für "Gewand" bzw. "Anzug" verwendet. Es geht auf das mittelhochdeutsche Wort "haeze" (Kleidung) und das althochdeutsche "hâz" (Kleid, Gewand) zurück.

Die Hexe

Insbesondere in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht finden sich Fastnachtshexen.
Die Offenburger Hexe ist nachweislich die Älteste Fastnachtshexe. In der dortigen Fasnacht gibt es sie seit Mitte der 1930er Jahre.

Mittlerweile hat sich die Figur, wahrscheinlich aufgrund des größeren Aktionsradius, rasant verbreitet. In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gibt es wohl keinen Ort, in der nicht mindestens eine Hexenfigur erdacht wurde.

Die meisten Hexen tragen Strohschuhe, Ringelsocken, weiße Bauernunterwäsche, einen Rock und eine Jacke. Ebenso wird die Figur von einer Holzmaske abgeschlossen. In einzelnen Fällen wird das Gesicht auch angemalt oder mit einer Draht- oder Stofflarve (-maske) verhüllt. Dazu trägt die Hexe einen Besen.

Der Ursprung der Fastnachtshexe ist bisher nicht zureichend geklärt. Die älteste Maske einer Hexenfigur stammt aus Tirol (alte Hexenmutterlarve). Sie wird ins 18. Jahrhundert datiert.

Die Hexenfigur in der Fastnacht besteht jedoch nicht erst seit dem 18. Jahrhundert. In vielen mittelalterlichen Überlieferungen sind Männer in Frauenkleidern - frei nach dem Motto Verkehrte Welt - überliefert. Die heutige Hexenfigur, wie sie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erdacht wurde, geht allerdings eher auf die Märchenhexe zurück statt auf oftmals erwähnte Hexenverbrennungen des Mittelalters. Oftmals wird auch um die Tatsache gestritten, wer nun ältere Hexenfiguren hätte. Aufgrund des Brauches der Männer in Frauenkleidern ist diese Diskussion obsolet. So wird beispielsweise bereits im 19. Jahrhundert die Furtwanger Hexe als eine der traditionellen Fastnachtsfiguren beschrieben. Neu war im 20. Jahrhundert im schwäbisch-alemannischen Raum lediglich die Hexenfigur mit Holzmasken.

Warum tragen Hexen eigendlich Strohschuhe?

Das Häs (Kostüm) einer Hexe soll im Prinzip die Arbeitskleidung einer Bauersfrau darstellen. Auch deshalb tragen Hexen meistens Schürzen. Die Weste einer Hexe heißt mundartlich "Peter", so wie früher eine Arbeitsjacke genannt wurde. Natürlich werden in heutiger Zeit bessere, langlebigere und teurere Stoffe als früher verwendet. Aber der Grundgedanke ist immer noch die "Arbeitstracht" einer Bäuerin. Vor allem weil diese Bäuerinnen Kenntnisse in Kräuterkunde hatten und deshalb macherorts als "Hexen" verschrien waren. Zur täglichen Arbeitskluft gehörten damals auch Strohschuhe, weil diese robust, billig und einfach selber herzustellen waren. Außerdem halten Strohschuhe die Kälte ziemlich gut ab. In manchen ländlichen Gegenden des Schwarzwaldes werden Strohschuhe auch heute noch gerne als Hausschuhe getragen.

Die Taufe

Besonders in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht müssen die Narren eine Taufe über sich ergehen lassen, bevor sie als vollwertige Hästräger anerkannt werden.

 Der genaue Ablauf einer Narrentaufe ist fast immer geheim und kann in einigen Punkten jährlich variieren. Grundsätzlich jedoch müssen die Täuflinge dabei einen Schwur auf die Zunft leisten und werden mit einem speziell gemixten Trank oder dem Wasser aus dem heimischen Brunnen oder der heimischen Quelle getauft. Abschließend erhalten die Täuflinge ihr begehrtes Häs und die Maske, bzw. eine Urkunde, dass sie diese offiziell tragen dürfen.
Eine Variante ist, das die Täuflinge von ihren Taufpaten eine größere Menge Schmutzwasser über den Kopf geleert bekommen. Narrentaufen finden in den meisten Fällen im Freien statt, was im Winter durch die kalten Temperaturen auch sehr eisig sein kann.

Termine

Meist werden die neuen Narren am Anfang einer Kampagne getauft. Besonders der 6. Januar wird dabei als Termin genommen, da hier zum einen die eigendliche Fasnacht beginnt und der Täufling somit die gesamte Kampagne vor sich hat, und zum anderen kann die Taufe mit dem Maskenabstauben verbunden werden. Bei dämonischen Figuren dient oft auch der außerhalb der Kampagne liegende 30. Oktober (Halloween) als Termin. In einigen Narrenzünften finden diese Taufen auch im Sommer statt

Häsordnung / Häswart

Der Begriff Häsordnung beschreibt eigentlich schon sehr genau das, was eine Häsordnung ist. Man könnte sagen, es ist eine Art Kleidervorschrift, welche in allen Einzelheiten das Aussehen des eigentlichen Häs beschreibt.

Es wird angegeben welche Farben, Formen, Stoffe und so weiter für ein bestimmtes Häs verwendet werden dürfen und wie diese gegebenenfalls anzuordnen sind. Darüber hinaus wird eventuell auch beschrieben welche Arten von Schuhen und Handschuhen zum Häs getragen werden dürfen.

Weiterhin kann eine Häsordnung auch Dinge regeln, welche im eigentlichen Wortsinn nicht in einer solchen zu vermuten wären. Eine Häsordnung kann somit auch Vorschriften über die Teilnahme an Umzügen und weiteren Veranstaltungen, die Anzahl zu leistender Arbeitseinsätze oder die Durchführung eines Brauchtumstanzes beinhalten.

Eine Häsordnung regelt also den Alltag in der fünften Jahreszeit.

Mit dem Begriff Häswart ist in der Regel der Verantwortliche für die Häser in einer schwäbisch-alemannischen Narrenzunft gemeint. In einigen Narrenzünften wird er auch Häsmeister genannt.

Der Häswart

Der Häswart ist nicht nur für die Einhaltung der Häsordnung zuständig, in dem er jedes Häs einer genauen Prüfung unterzieht damit der einheitliche Anblick stimmt. Er hilft meist auch tatkräftig bei der Erstellung neuer Häser mit. In Vereinen in denen das Häs dem Verein gehört und nicht dem Hästräger selbst, ist es auch Aufgabe des Häswarts für die pünktliche und korrekte Rückgabe der ausgeliehenen Häser zu sorgen und diese gegebenenfalls wieder in einen ordentlichen Zustand zu bringen

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